Der Lienzer Adventsmarkt, der zu den traditionsreichsten in ganz Österreich gehört und unter dem Motto „Einmal wieder Kind sein“
steht, lässt vom 27. November bis 24. Dezember urtirolerisches Brauchtum lebendig werden. Vor dem Rathaus, das sich in einen riesigen Adventskalender verwandelt, treten Sänger und Märchenerzähler auf. Lesungen und Hirtenspiele beeindrucken die Besucher ebenso wie die lebende Werkstätte, in der Glasbläser, Kerzenzieher und Holzschnitzer zum Mitmachen auffordern, während der Nachwuchs in der Kinderbackstube schwitzt.

Erst zum Fürchten, dann zum Bewundern sind die handgeschnitzten Krampus-Larven, die wahre Kunstwerke und kaum unter
1500 Euro zu haben sind. Die schönsten fertigen die Holzbildhauer Johann Planer und Kurt Glänzer, gleichzeitig Vorsitzender des Lienzer „Nikolo- und Krampusvereins“. Noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts schaute man in Osttirol aus den Nasenlöchern. Inzwischen aber ist der Krampus ein wenig geschrumpft, denn die Sehschlitze der Masken sind auf Augenhöhe. Daher wirken die schaurigen Gesellen des Nikolaus zwar noch furchteinflößend, aber nicht mehr ganz so übermächtig. Ängstliche Zeitgenossen können die tief im Brauchtum verwurzelte Faszination des Schreckens hinter Absperrgittern auf sich wirken lassen. Die absoluten Publikums-Lieblinge sind sowieso die laufenden Meter – die drei-ährigen Knirpse unter den 150 Nachwuchs- Krampussen, die am 6. Dezember im Gefolge des Nikolaus in die Altstadt marschieren. www.osttirol.com