Deutschland birgt eine Fülle an wunderschönen Regionen: wildromantische Wälder, zauberhafte See- und Flusslandschaften, unberührte Bergwelten, maritime Szenerien. Teilweise zeichnen sich diese Lebensräume durch eine extrem spezialisierte Tier- und Pflanzenwelt aus. Der Schutz und Erhalt dieser zum Teil stark gefährdeten Arten hängt somit auch unmittelbar mit dem Schutz und Erhalt der Lebensräume zusammen.

Um das zu erreichen, wurden verschiedene Schutzgebiete kategorisiert. Diese unterscheiden sich in ihrer Größe, in ihren Schutzzielen und den sich daraus ergebenden Nutzungsauflagen. 

Klein anfangen: Natur- und Landschaftsschutzgebiete

Natur- und Landschaftsschutzgebiete, welche auch als Kleinschutzgebiete bezeichnet werden, gibt es in Deutschland in großer Zahl. Auf Wanderungen begegnen einem somit häufig die entsprechenden Hinweisschilder. Geschützt werden sollen bei beiden die jeweiligen Natur- und Landschaftsräume. Doch was ist der konkrete Unterschied?

Blick auf den Müritz Nationalpark
Müritz Nationalpark im Land der 1000 Seen
© TVB Mecklenburg-Vorpommern, Klaus Steindorf-Sabath

Ein Landschaftsschutzgebiet hat eine besondere Bedeutung für die Erholung der Menschen. Damit dieser Erholungseffekt bestehen bleibt, soll besonders die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts erhalten, entwickelt oder wiederhergestellt werden. Das Eingreifen des Menschen, zum Beispiel in Form von Forstarbeiten, ist hier also erlaubt und erwünscht.

In einem Naturschutzgebiet dagegen gibt es entweder besonders seltene Tiere oder Pflanzen oder das Areal hat einen bedeutenden naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Hintergrund. Deswegen hat die Erhaltung, Entwicklung oder Widerherstellung von Biotopen oder Lebensgemeinschaften wildlebender Tier- und Pflanzenarten die höchste Priorität. Der Eingriff des Menschen ist deswegen auf ein Minimum reduziert. Natur- als auch Landschaftsschutzgebiete können Teile eines Naturparks, Nationalparks oder auch eines Biosphärenreservats sein. 

Größer werden: Naturparks, Nationalparks und Biosphärenreservate

Diese drei Schutzgebiete werden auch als Großschutzgebiete bezeichnet, da sie meist mehrere Naturschutzgebiete und / oder Landschaftsschutzgebiete umfassen. Es handelt sich um besonders schützenswerte Landschaften, die von großer Bedeutung für die biologische Vielfalt sind, ökologische und gesellschaftliche Zwecke erfüllen und einen Großteil des Natur- und Kulturerbes behüten. Dabei hat jedes Großschutzgebiet seine ganz eigenen Kriterien.

Natur Natur sein lassen: Nationalparks

Nationalparks erfüllen überwiegend die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets und befinden sich deswegen in einem vom Menschen nicht oder kaum beeinflussten Zustand. Gewöhnlich sind diese Gebiete in mehrere Zonen unterteilt. In der Kernzone oder Naturdynamikzone entwickelt sich die Natur komplett ohne den Eingriff des Menschen. Hier finden sich daher Lebens- und Rückzugsräume für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Das ist zum Beispiel in den mehr als hundert Mooren des Nationalsparks Jasmund der Fall.

Sandstrand im Biosphärenreservat Wattenmeer
Die ost- und nordfriesischen Inseln als Teil des Biosphärenreservats Wattenmeer und Halligen sind eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen.  © Heidemarie Wolter

Dagegen greift der Mensch in der Entwicklungszone lenkend ein, um die Entwicklung dieses Gebiets zu einer naturnahen Landschaft zu fördern. Das ist sehr gut im Nationalpark Müritz zu beobachten: Zu Zeiten der ehemaligen DDR diente diese Region unter anderem der Staatsjagd und wurde zudem intensiv bewirtschaftet. Deswegen wurden monotone Kiefernforste angelegt und durch künstliche Entwässerung der Grundwasserspiegel abgesenkt. Seit 1990 wird nun verstärkt an der Wiederherstellung der natürlichen Bedingungen gearbeitet. Die ersten Erfolge sind auch bereits sichtbar: Beispielsweise hat sich die Rotbuche einiges von ihrem ursprünglichen Terrain zurückerobern können. Die äußere Zone, auch Pflegezone genannt, befindet sich an den Rändern des Schutzgebiets. Sie schützt die inneren Zonen vor schädlichen Entwicklungen der benachbarten Gebiete, wie beispielsweise dem Eindringen des Borkenkäfers.

Wie gemacht für die Erholung des Menschen: Naturparks

Da sich die landschaftliche und natürliche Ausstattung von Naturparks besonders gut für die Erholung des Menschen eignet, wird in diesen Regionen ein nachhaltiger Tourismus angestrebt oder bereits praktiziert. Deswegen wird bei der Entwicklung und Gestaltung dieser Gebiete auch immer auf die Bedürfnisse des Menschen eingegangen.

Der Naturpark Holsteinische Schweiz beispielsweise kann nicht nur mit dem schönsten Wasserwanderweg von Norddeutschland punkten, sondern besticht auch mit einer unglaublichen Artenvielfalt rund um den das Gebiet prägenden Lebensraum Wasser. Einen wunderschönen Blick auf lila blühende Heide und dazwischen majestätisch aufragenden Wacholder bietet sich dem Wanderer im Naturpark Lüneburger Heide. Im Naturpark Wildeshauser Geest vereinen sich stattdessen Natur und Kultur. Und im Naturpark Pfälzerwald, als größtes zusammenhängendes Waldgebiet Deutschlands, kommen nicht nur passionierte Wanderer auf ihre Kosten: Geologiebegeisterte erkunden unzählige der bizarren Sandsteinformationen, und Freunde des guten Tropfens finden an der Deutschen Weinstraße viele idyllische Winzerdörfer.

Gänse bei einer Pause im Naturschutzgebiet Wattenmeer
Im Biosphärenreservat Wattenmeer und Halligen funktionieren Schutzgebiet und Weidewirtschaft
© Heidemarie Wolter

Für das Zusammenleben von Mensch und Natur: Biosphärenreservate

Biosphärenreservate sollen das Zusammenleben von Mensch und Natur fördern und entwickeln. Dabei werden wertvolle Lebensräume für Mensch und Natur erhalten und historische Kulturlandschaften vor zerstörenden Eingriffen bewahrt. So soll ein ausgewogenes Verhältnis zwischen menschlicher Nutzung und natürlichen Kreisläufen entstehen. Ein gutes Beispiel für dieses Schutzgebiet ist das Biosphärenreservat Wattenmeer und Halligen. Hier wird zeitgleich der Tourismus gefördert und Weideviehwirtschaft betrieben und zudem das Wattenmeer als Region für die kommenden Generationen erhalten.

Eines der wichtigsten Ziele der Biosphärenreservate ist daher eine nachhaltige Landwirtschaft. Diese soll nicht nur die Natur und ihre Lebensräume schonen, sondern zudem die Verbraucher mit regionalen Produkten versorgen. Ein Vorzeigeprojekt hat sich dabei im Biosphärenreservat Schwäbische Alb entwickelt: Hier schlossen sich verschiedene regionale Betriebe (darunter Landwirtschaften, Bäckereien und Brauereien) zum Projekt „Albkorn“ zusammen. Wie der Name bereits vermuten lässt, stammt das Getreide, welches die Bäckereien für ihre Backwaren verwenden, ausschließlich aus der Region. Und auch die hiesige Bergbrauerei braut ihre Biersorten mit der regionalen Gerste. 

Ausblick

Die Anzahl der Schutzgebiete, ob nun klein oder groß, ist einer stetigen Änderung unterworfen: Neugründungen, Erweiterungen und Verschmelzungen von Schutzgebieten sind die Regel.

Und das ist auch gut so! Denn je mehr der Natur- und Umweltschutz an Bedeutung gewinnt, desto stärker wird auch darauf geachtet, die Landschaft um uns herum zu schützen und zu bewahren. Schließlich wollen nicht nur wir uns an einer intakten Natur erfreuen, auch die nachfolgenden Generationen sollen die Möglichkeit haben, die Schönheit Deutschlands kennenzulernen.

 

5 Dinge, die Sie über unsere Schutzgebiete wissen sollten

1. In Landschaftsschutzgebieten ist das Sammeln von Kräutern, Beeren und Früchten in kleinen Mengen und für den eigenen Gebrauch erlaubt, während in Naturschutzgebieten das Pflücken von Pflanzen grundsätzlich verboten ist!

2. Der Nationalpark Wattenmeer setzt sich aus dem niedersächsischen, dem schleswig-holsteinischen und dem hamburgischen Wattenmeer zusammen und wurde 2009 als erste deutsche Landschaft als Weltnaturerbe ausgewiesen. In diesem Jahr feiert er also sein zehnjähriges Bestehen!

3. Zusammen mit dem niederländischen und dem dänischen Wattenmeer bildet das deutsche Wattenmeer die größte zusammenhängende Wattlandschaft der Erde!

4. Der Naturpark Lüneburger Heide ist nicht nur das größte zusammenhängende Heidegebiet Deutschlands, sondern auch unser ältester Naturpark. Gegründet wurde er 1956, wobei bereits 1921 Teile des heutigen Naturparks unter Schutz gestellt wurden.

5. Das Biosphärenreservates Bliesgau ist das reinste Orchideenparadies: Auf den Kalkböden der ausgedehnten Halbtrockenrasen wächst die Hälfte der in Deutschland vorkommenden Orchideenarten.