Schechinger gründete 1981 in Dasing bei Augsburg die Firma „Mountain Sport GmbH“. Geschäftszweck war der Vertrieb
von Sportartikeln. Dem findigen Firmenchef gelang es, Marken wie PRE-Ski und Jansport nach Europa zu holen. 1993 endete jedoch die Markenkooperation mit der US-Marke Jansport, und der Patriarch sinnierte über einen innovativen Firmennamen. 1994 startete er mit der Tatonka GmbH (Tatonka GmbH Qualitätsausrüstung für Freizeitaktive) eine Erfolgsstory.

EIGENE FERTIGUNG
1989 gründete Schechinger eine eigene Fabrik in Vietnam, 1996 wurde dort ein zweiter Produktionsstandort etabliert. 1997 begann man sogar mit der eigenen Edelstahlproduktion. 1999 meldete der Newcomer in der Outdoorszene die Marke TASMANIAN TIGER an. Dieser Firmenzweig zielte von Beginn an auf Ausstattungsprodukte für das Militär und die Polizei. Darunter Produkte wie Tragesysteme für den Feldeinsatz, Rucksäcke, medizinische Ausrüstung, Regenjacken, Mützen und Pullover. Der tasmanische Tiger, soviel zur Namensfin- dung à la Schechinger, ist das inzwischen ausgestorbene, größte fleischfressende Beuteltier des australischen Kontinents. Markenzeichen der Raubkatze ist das gestreifte Rückenfell. Es diente der Tarnung in freier Wildbahn. Tarnung spielt im militärischen Einsatzbereich ja bekanntlich auch eine große Rolle. Seit 2001 bietet die Marke unter dem Dach von Tatonka auch Produkte für Endverbraucher (Jagd, Forst etc.) an.

WIE DER VATER, SO DER...
Andreas Schechinger, seit 1991 im väterlichen Betrieb in der Produktentwicklung tätig, übernahm 2004 die Führungsfunktion. Der agile Unternehmer wurde später in den Vorstand des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie (Sitz in Bonn) gewählt, ließ die vietnamesischen Produktionsstätten 2011 erstmals vom TÜV Rheinland nach den Sozialstandards (SA8000) zertifizieren und gründete das einzigartige Projekt „Openfactory“ zur Schaffung von mehr Transprarenz über die Arbeitsbedingungen bei der Produktion. 2012 attestierte auch die Non-Profit-Organisation „Made by“ dem Unternehmen die 100%ige Erfüllung aller Sozialstandards. An den beiden Produktionsstandorten in Ho Chi Minh City und in der Binh Dinh Provinz fertigen aktuell ca. 704 Mitarbeiter an rund 1.030 Maschinen nach firmeneigenen Angaben über 1.156.180 Tatonka-Produkte pro Jahr.

ALLES IN EINER HAND
Seit der Gründung der Marke Tatonka werden sämtliche Produkte in der eigenen Fertigung (die Firma Mountech Co. Ltd. in Vietnam) hergestellt. Geschäftsführer Andreas Schechinger verantwortet alle unternehmerischen Entscheidungen und ist selbst mehrmals im Jahr für mehrere Wochen vor Ort in Vietnam. Einmal in der Woche öffnet Mountech Co. Ltd., die Produktionsstätte von Tatonka in Vietnam, ihre Türen. Alle, die es interessiert – ob Verbraucher, Händler, Journalisten, Wirtschaftsfachleute, NGO-Vertreter-, können die Fertigung bei laufendem Produktionsbetrieb besichtigen. Das in der Outdoorbranche einmalige Projekt wurde im Jahr 2011 ins Leben gerufen und innerhalb kürzester Zeit etabliert. Möglich wurde dies, weil das bayerische Familienunternehmen Tatonka alleiniger Eigentümer von Mountech Co. Ltd. ist.

TRANSPARENZ STATT SIEGEL
Dabei geht es Andreas Schechinger vornehmlich um die soziale Verantwortung für die Produktionsbedingungen nach europäischen Standards. Für ihn lässt sich diese nur glaubhaft durch maximale Transparenz demonstrieren. Erst damit schaffe man Vertrauen. Für viele Menschen werde es zunehmend wichtiger, Produkte zu erwerben, die unter sozial verträglichen und fairen Bedingungen hergestellt werden. Firmen, die in Asien im Lohn fertigen lassen, wiesen die faire Produktion verstärkt durch Siegel und Zertifikate nach. Mit der „Open Factory“ geht das Unternehmen aus dem bayerischen Schwabenland einen ganz eigenen Weg und macht seine Produktion öffentlich. Damit, so Schechinger, könne man sich auch den Kritikern von Siegeln oder Zertifikaten, deren Schöpfer ja auch materielle Interessen verfolgen müssten, entziehen.

RUCKSÄCKE STEHEN IM FOKUS
Bekleidung ist für Tatonka eher die Nische, der Kern sind Rucksäcke, Zelte und Taschen. Beim Militär werden besonders Schwerlastrucksäcke nachgefragt, mit denen 45 bis 60 Kilo durchs Gelände getragen werden. Hier finden auch die härtesten Belastungstests statt. So werden die gepackten Rucksäcke testweise aus dem fahrenden LKW oder einem fliegenden Hubschauber geworfen. So ein arg strapazierter Tatonka-Rucksack übersteht dann vielleicht maximal einen Tag, während die meisten Konkurrenzprodukte bereits nach einer Stunde den Geist aufgeben, so der Firmenchef selbstbewusst während einer Wanderung mit Manuel Andrack aus Anlass eines Persönlichkeitsportraits für das Wandermagazin in 2014. Die Vietnamesen, ergänzte er bei der Gelegenheit, hätten sich in den Jahren so weit spezialisiert, dass dort seiner Auffassung nach inzwischen die besten Rucksäcke der Welt gefertigt werden. Schechinger ist leidenschaftlicher Fan des Modellbaus, schraubt gerne an einem 406-er Unimog herum. Der verheiratete Vater einer Tochter liebt die klare Kante: Am Ende siegt die Verlässlichkeit und beschützt während der Expedition Leben, getreu des Firmen- Claims: Expedition Life (ms).


EXPEDITION LIFE:
Gründung: 1981
Mitarbeiter 2017: 74
Produktionsstätten:
Mountech Co. Ltd. in Ho Chi Minh City, Vietnam
Anteil Frauen in Führung positionen: 2 von 14 (14,39 Prozent)
Zielmärkte: Deutschland, Österreich, Schweiz, Russland, Asien, Australien/Neuseeland
Philosophie: Inhabergeführtes Familienunternehmen mit nachhaltigem Handeln in allen Unternehmensbereichen
Claim: „Expedition Life“