OW: Wie bist du überhaupt zur Fotografie gekommen?
Jacob: Ich habe die alte Kamera von meinem Onkel geschenkt bekommen. Fotografiert habe ich eigentlich schon immer gerne, aber nicht wirklich ernsthaft. Irgendwann habe ich mich für Astrofotografie interessiert und bin dadurch zum Wandern mit der Fotografie gekommen, denn ich wollte gerne den Nachthimmel aufnehmen. Das heißt natürlich, dass ich nach draußen gehen muss, weit weg von der Stadt, wo es dunkel ist, wo keine Lichtverschmutzung ist und wo ich das Zelt aufschlagen kann.
OW: Was fotografierst du am liebsten?
Am liebsten fotografiere ich immer noch Landschaften, wie zum Beispiel Berge. Es zieht mich besonders in die Berge, nach Skandinavien, Norwegen oder Nordschweden. Dort kann ich mit dem Zelt unterwegs sein und es dort aufstellen, wo ich möchte, um morgens, abends und nachts einen schönen Ausblick festzuhalten.
OW: Wie entstand das Projekt Leichtmut?
Jacob: Ich bin 2018 für meine ersten Nacht-Astro-Aufnahmen in den Lake District gefahren und habe dort auch das erste Mal wild gezeltet. Ich hatte noch einen Star-Tracker dabei und das wog alles sehr viel. Damit bin ich den Berg hochgestapft, habe mich sehr geärgert und wollte leichtere Ausrüstung haben. Danach habe ich angefangen, viel zu recherchieren. Es gibt viele Rucksäcke aus dem Ultraleicht-Trekking-Bereich, aber es gab nicht wirklich etwas, das mit Fotografie kompatibel ist. Also habe ich angefangen, meinen ersten Rucksack selbst zu nähen.

Ich habe mir ein Tutorial und ein paar Stoffe gekauft, saß dann an der Nähmaschine meiner Mutter, habe meinen ersten Rucksack genäht und dabei auch die Maschine ein bisschen zerstört. Das war mein Corona-Projekt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sich der Kamerarucksack für mich als nicht praktikabel erweist, weil ich die Kamera wirklich immer erreichbar haben möchte. Somit fing ich an, die erste Brusttasche aus ultraleichten Materialien zu nähen. Und das Produkt habe ich dann immer weiterentwickelt und optimiert, bis ich meine heutige Kameratasche hatte, die ich jetzt verkaufe.
OW: Was macht deine Kamerataschen besonders?
Jacob: Es ist die Verbindung von leichtem Gewicht, bestmöglicher Wasserdichtigkeit und einem schnellen, einfachen Zugriff auf die Kamera, das gab es bisher so nicht auf dem Markt. Wenn man sich eine typische Kameratasche anschaut, dann bestehen diese meistens aus sehr gummiartigen, dicken Stoffen, die verschweißt werden. Diese sind dann jedoch immer sehr schwer. Oder es gibt vernähte Taschen: Dabei hat man einen Außenstoff, das Polstermaterial und den Innenstoff, die wie ein Sandwich aufeinandergelegt und vernäht werden. Das Problem dabei ist, dass das Material zwar wasserdicht ist, die Nähte jedoch nicht.

Ich habe mich daran gesetzt, mit modernen, leichten Materialien dieses Problem zu umgehen. Ich klebe und tape sehr viel: Mit besonderen Klebebändern verklebe ich alle Nähte, damit kein Wasser eindringen kann. Gleichzeitig wollte ich einen Weg finden, wie ich die Kamera schnell griffbereit habe. So bin ich auf den Rollverschluss gekommen, den man einfach mit einem Magneten nach vorne klappt. Und wenn man ein Motiv sieht, klappt man ihn nur kurz hoch, greift zur Kamera und kann direkt das Bild schießen.
OW: Wie kann man sich deine Produktion vorstellen?
Jacob: In der Regel warte ich, bis ich ein paar Bestellungen gesammelt habe, um 5–6 Taschen gleichzeitig zu fertigen. Da ich auch Custom-Größen für individuelle Kamera- und Objektiv-Setups anbiete, berechne ich die Größen in einem digitalen Schnittmuster. Dann gehe ich an die Nähmaschine, aber ein großer Teil der Produktion besteht auch aus dem Tapen mit Klebebändern. Tatsächlich versuche ich, so wenig wie möglich zu nähen, weil jede Naht auch wieder Löcher bedeutet, durch die Wasser eindringen kann. Die Tasche besteht aus drei Teilen: einer wasserdichten Außenhülle, Schaumstoff in der Mitte und einer Trennschicht zwischen Schaumstoff und Kamera.
OW: Was sind die Herausforderungen der Selbstständigkeit? Wie kam es dazu?
Jacob: Die Selbstständigkeit war eher ein Zufall, so wie das Leben halt spielt. Ende 2024 hatte ich meinen Job gekündigt und meine neue Stelle war nicht so, wie ich sie erwartet hatte. Und dann habe ich überlegt, was der nächste Schritt sein könnte und ein bisschen Gefallen an der Idee der Selbstständigkeit gefunden – und den Schritt dann einfach gewagt. Vorher habe ich als Texter in der Kommunikation gearbeitet und auch die Produktfotografie übernommen. Das hat mir bei der Selbstständigkeit natürlich geholfen: Ich kann Bilder machen, ich kann texten, und ich weiß, worauf ich beim Datenschutz achten muss.
Es gibt ein Ultraleichtforum, in dem ich damals selbst angefangen habe, mich zu informieren und auf der Plattform Reddit einen Ultraleicht-Subreddit. Dort habe ich meine Produkte geteilt, die dort recht gut angekommen sind und sofort habe ich ein paar Taschen verkauft. Viel läuft bei mir aktuell einfach über Facebook- und Instagram-Werbung. Diese Plattformen sind für mich ein guter Ort, um meine Zielgruppe zu erreichen, Leute, die outdoor unterwegs sind.
OW: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für deine Produkte?
Jacob: In meinem persönlichen Leben ist mir Nachhaltigkeit sehr wichtig. Bei der Konstruktion meiner Kamerataschen war das jedoch nicht meine erste Priorität, weil es mir in erster Linie darum ging, funktionierende Produkte für den Outdoor-Alltag zu fertigen. Da ich für die Produktion sehr spezifische Stoffe benötige, habe ich keine große Auswahl. Die Hersteller, von denen ich die Stoffe beziehe, machen jedoch große Fortschritte: Die Stoffe bestehen teilweise schon aus recycelten Materialien.
OW: Wie geht es weiter mit Leichtmut? Hast du schon neue Pläne?
Jacob: Ich habe einige Pläne, aber es hapert immer an der Zeit, diese Pläne umzusetzen. Gerade arbeite ich an einer Bauchtasche mit dem gleichen Prinzip wie meine Kameratasche, also komplett gepolstert mit wasserdichten Nähten. Außerdem habe ich einen Schritt zurück gemacht und arbeite wieder an Rucksäcken inklusive leichtem Packgestell mit extra Zugriff auf die Kameraausrüstung. Da bin ich gerade noch am Testen. Ich hoffe, dass ich bald meinen ersten kleinen Werkstattraum anmieten kann und die Produktion ein bisschen geordneter ablaufen wird.

OW: Woher kommt der Name Leichtmut? Er hat etwas mit deinem Nachnamen zu tun?
Jacob: Ja, genau, mein Nachname ist Muth. Der Mut steckt da drin. Ein bisschen Mut zur Leichtigkeit, was die Ausrüstung angeht, das ist der offensichtliche Grund. Aber ich glaube auch allgemein, wenn es nach draußen geht, dann ist das Leben leicht und froh.
OW: Vielen Dank für das schöne Gespräch!
Info: www.leichtmut.de
Das Interview führte Marieke Wist

