Der Dokumentarfilm „Open Ocean“ von den Filmemachern Philippe Opigez und Rico Stein und in Zusammenarbeit mit Open Ocean e.V. nimmt die Zuschauer:innen mit ans Meer: An der Atlantikküste im Norden Portugals erobern Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam die Wellen und überwinden Grenzen. Am 26. April premierte der Film im Filmhaus Köln vor ausverkauftem Kinosaal.

Surfen ist nur etwas für topfitte, „gesunde“ Menschen? Weit gefehlt. Auch mit Querschnittslähmung oder Erblindung ist Wellenreiten möglich – dem Verein Open Ocean sei Dank. Denn das Wasser ist offen für alle, es fragt nicht, ob jemand gehen oder sehen kann, ob jemand eine geistige Beeinträchtigung hat oder nicht. Wer Spaß daran hat, sich (in Begleitung) in die Wellen zu stürzen, kann das tun. 

Der Dokumentarfilm "Open Ocean" liefert Einblicke in die Welt des inklusiven Surfens und lässt Zuschauer:innen erleben, wie Menschen mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen Barrieren überwinden, um ihrer Sehnsucht nach Mehr, nach dem Meer und dessen Magie, nachzugehen.  

Trockenübungen © Miguel Costa

Der Film erzählt z. B. die Geschichte von Hannes, einem Surfer mit Querschnittslähmung, und seiner Entschlossenheit, sich von nichts aufhalten zu lassen oder die Geschichte von Adriani, einem blinden Surfer, der Hingabe und Mut beweist. Außerdem lernen die Zuschauer:innen Fritzi kennen, Surflehrerin und Vorstandsmitglied von Open Ocean e. V., die sich dafür engagiert, anderen das Surfen beizubringen sowie Pia, eine Rollstuhlfahrerin, die mit ihrer Freundin Malin nach Portugal reist und dort Freude und Heilung im Surfen findet. 

„Das Meer ist offen für jeden.
Ob du das im Stehen oder im Liegen machst,
mit Brett oder ohne Brett. Es spielt keine Rolle.
Es geht nur darum, dass das Du deine Erfüllung darin findest.“

(Zitat aus dem Film)

Was ist schon normal

Der Film berührt mit dem Lachen der Protagonist:innen, mit ihrer puren Freude im Wasser. Er zeigt eine Perspektive, wie man sie selten sieht und regt dazu an, über den Begriff der „Normalität“ nachzudenken. Während es für die eine Person normal ist, sehen zu können, ist es für eine andere Person normal, nicht sehen zu können. Und während die eine im Stehen surft, genießt ein anderer das Surfen auf dem Bauch liegend. Das eine ist genauso normal wie das andere; Erfahrungen, Vorlieben, Stärken, Schwächen sind individuell – unabhängig von geistigen oder körperlichen Behinderungen. 

Die individuellen Perspektiven dieser Menschen wurden von Philippe Opigez und Rico Stein in einem 46-minütigen Dokumentarfilm zusammengeführt, der nicht nur beflügelt und inspiriert, sondern auch von der einfühlsamen Herangehensweise der beiden Filmemacher und ihrem Gespür für menschliche Erfahrung zeugt. Der Film zeigt eine bunte Palette an Möglichkeiten und macht Mut, selbst mal etwas mehr auszuprobieren. Vor allem ist es ein berührender Film, der einen mit einem Lächeln auf den Lippen den Kinosaal verlassen lässt. 


Der Verein Open Ocean e. V.

Open Ocean ist nicht nur der Titel des Films, sondern auch der Name eines gemeinnützigen Vereins, der sich für inklusiven Wassersport einsetzt. Open Ocean e. V. will allen Menschen, egal mit welchen Einschränkungen und Herausforderungen sie kommen, den Zugang zum Meer und zum Wellenreiten ermöglichen. Fritzi, Vorstandsmitglied von Open Ocean sagt: " ‘Open Ocean’ ist mehr als nur ein Film über das Surfen. Es ist eine Anerkennung der menschlichen Entschlossenheit, der Kraft der Gemeinschaft und der Möglichkeiten, die entstehen, wenn Barrieren überwunden werden."

Filmplakat "Open Ocean"

Kino ohne Grenzen

So wie der Verein barrierefreien Wassersport ermöglicht, haben die Filmemacher in der Postproduktion daran gedacht, den Dokumentarfilm für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Der Film wird mit einer professionellen Audioskription für Menschen mit Sehbehinderungen über die GRETA-App sowie erweiterten Untertiteln für hörgeschädigte Personen präsentiert.

Am 26. April feierte der Film "Open Ocean" im Filmhaus Köln Premiere vor ausverkauftem Kinosaal. Weitere Vorstellungstermine deutschlandweit werden noch bekannt gegeben. 

Weitere Infos auf www.open-ocean.info
Weitere Bilder in der Bildgalerie ganz oben. 

 

 

Annabelle Gummersbach & Svenja Walter