Daunen sind der Safran der Outdoorausrüstung: Wiegt fast nichts und kostet viel. Aus gutem Grund. Daunen sind kostbare Wunderwerke der Natur. Eine Daune kann zwar bis zu vier Zentimeter im Durchmesser groß werden, wiegt aber dennoch nur 0,001 Gramm. Für eine Unze braucht man etwa 28.350 Daunen. Bedenkt man, dass von einer ausgewachsenen Gans etwa 60 Gramm Daunen „geerntet“ werden können, dann braucht es für einen 3-Jahreszeiten- Schlafsack mit 600 Gramm Füllung etwa eine halbe Million Daunen von zehn Tieren. Noch faszinierender: Eine Daune besteht etwa aus 2 Millionen Verästelungen, zwischen denen Luft gespeichert wird, und genau das ist ihr Erfolgsgeheimnis. Kein Material speichert im Verhältnis zu seinem Gewicht mehr Luft als Daunen, ergo gibt es kein Material, was ein besseres Gewichts-/ Wärmeisolationsverhältnis aufweist als Daune. Das macht Daune für Outdoor-Funktionsbekleidung und -Schlafsäcke so perfekt.

Daunen, Federn, Fillpower
Alle Vögel haben Federn, aber nicht alle Vögel haben Daunen. Daunen sind das Untergefieder von Wasservögeln, und dieses Untergefieder hat Landgeflügel nicht. Vom Grundstoff sind Daunen und Federn zwar identisch. Beide bestehen aus Keratin (Faserproteine). Federn haben einen stumpfen Kiel, von dem die Verästelungen seitlich geordnet abstehen. Daunen haben einen Kielpunkt oder Kern, von dem die Verästelungen dreidimensional in alle Richtungen abgehen. Das macht die Daune extrem elastisch und ermöglicht den Lufteinschluss und die Komprimierbarkeit. Trotzdem werden Daunen und (Klein-)Federn als Füllung gemischt. Man sagt, dass ein gewisser Anteil Federn – etwa 5 bis 10 % – notwendig sind für die Stabilität der Füllung. Das Mischverhältnis wird in Gewichtsprozenten definiert. Zahlenkombinationen wie 95/5, 90/10 oder 80/20 weisen darauf hin, dass 95, 90 oder 80 Prozent des Füllgewichts Daunen sind und 5, 10 oder 20 Prozent fedrige Daune oder Kleinfedern. Je höher der Daunenanteil, desto hochwertiger die Füllmischung. Über die Isolationsleistung sagt diese Zahl trotzdem nichts aus. Für die ist nämlich entscheidend, wie viel Volumen die Daune einnimmt – und somit, wie viel Luft diese einschließen kann. Die Fillpower bezeichnet die Qualität der Daune. Diese wird in Cubic Inches (Cuin) pro Unze Daune (28,35 g) gemessen. Die Unze Daune wird in einem skalierten Glaszylinder komprimiert und dann geschaut, wie stark sich die Daune wieder ausbreitet. Daraus entstehen Zahlen wie 900, 750 oder 600 Cuin. Ordentliche Daune hat zwischen 450 und 550 Cuin, gute Daune zwischen 600 und 700, hochwertige Daune über 750 Cuin, Spitzendaune bis 950 Cuin. Noch was: Wer hochwertige Daunenprodukte kaufen will, sollte Produkte ohne Cuin-Angabe meiden. Um einheitliche Qualitäten zu erzielen, muss Daune sortiert werden. Für unser 600-Gramm-Schlafsackbeispiel werden deshalb deutlich mehr als zehn Tiere benötigt. Je nach Fillpower braucht man Daunen von 200 bis 500 Tieren und nutzt die übrigen Qualitäten in anderen Produkten. Und natürlich spielen auch Tier und Aufzuchtbedingungen eine Rolle für die Fillpower. Grundsätzlich hat Entendaune etwa 10% weniger Loft als Gänsedaune, man braucht also mehr, um auf die gleiche Isolationsleistung zu kommen. Dafür ist Entendaune preisgünstiger. Auch gilt, je kälter die Umgebung, in der die Tiere aufwachsen, desto hochwertiger ist die Daune.

Daune und Nässe
Der Vorteil von Daune ist das überragende Gewichts-/Isolationsverhältnis. Der Nachteil von Daune ist die Anfälligkeit gegenüber Nässe. Daune darf nass werden. Das ist sie bei Wasservögeln permanent. Das Problem ist die Trocknung. Bei den Tieren sitzen die Daunen fest und werden beim Putzen durch ein öliges Sekret aus der Bürzeldrüse „imprägniert“. Gerupfte Daune ist lose und wenn sie nass wird, dann nimmt sie Feuchtigkeit auf, zerfällt und verklumpt. Verklumpte Daune verliert ihre isolierende Wirkung, weil sie keine Luft mehr einschließt. Daune muss also aufwendig getrocknet und dabei permanent aufgeschüttelt werden, damit sich die Klumpen lösen. Am besten geht das in einem Wäschetrockner mit ein paar Tennisbällen, die als Klopfer in der Trommel fungieren.

Unterwegs sollte sie nicht nass werden. Wer mit viel Niederschlag zu rechnen hat, sollte einen Kunstfaserschlafsack oder eine Wär- mejacke mit synthetischer Füllung wählen. Seit Kurzem gibt es verstärkt hydrophobe Daune auf dem Markt. Hydrophob bedeutet, dass die Daune nässeabweisend behandelt wurde. Funktionell ist das ein riesiger Schritt, weil der einzige Nachteil von Daune eliminiert wird. Dagegen sind Versuche, synthetische Fasern und Daune zu kombinieren – mit dem Ziel, das Beste aus zwei Welten zu verbinden –, bisher gescheitert. Hybridlösungen – Daunenprodukte mit Kunstfasern an besonders belasteten Stellen (Schultern, Knie und Gesäß) – sind dagegen sinnvoll und funktionieren gut. Gerade die modernen Fertigungsmethoden mit ultraleichten robusten Mantelstoffen, Komprimierbarkeit und geringes Packmaß machen Daunenjacken zum überaus beliebten Standardprodukt für jeden Outdoorsportler. (rsb)